08.05.2020

Wir geben den Löf­fel ab

Aktion Leere Stühle macht auf die Not­lage der Gas­tro­no­men, Hote­liers und Ver­an­stal­ter im Lau­sit­zer Seen­land auf­merk­sam

Das Gast­ge­werbe im Lau­sit­zer Seen­land betei­ligte sich am 8. Mai 2020 an der bun­des­wei­ten Aktion "Leere Stühle" unter dem Motto „Wir geben den Löf­fel ab“. 22 Gast­wirte, Unter­kunfts­be­triebe und Ver­an­stal­ter haben mehr als 850 Stühle auf den Vor­platz am Stadt­ha­fen Gro­ßräschen gebracht und dort auf­ge­stellt. Mit den lee­ren Stüh­len woll­ten die Gas­tro­no­men, Hote­liers und Ver­an­stal­ter auf ihre pre­käre Lage in der Corona­krise auf­merk­sam machen. Die Anwe­sen­heit der lee­ren Stühle sollte die Not der Gas­tro­no­mie­be­triebe aus dem Lau­sit­zer Seen­land sym­bo­li­sie­ren. Trotz Öff­nungs­sze­na­rien ist die Exis­tenz der Inha­ber und Mit­ar­bei­ten­den nicht gesi­chert, so dass die Bran­che ein­dring­lich wei­tere finan­zi­elle Hil­fen und Unter­stüt­zungs­pa­kete for­dert.

Initi­iert hat die Aktion im Lau­sit­zer Seen­land Sebas­tian Wolschke, Inha­ber des Restau­rants und der Bett + Bike-Unter­kunft Haus Vier in Gro­ßräschen. Auch er will end­lich wie­der arbei­ten, Gäste bewir­ten und den eige­nen Mit­ar­bei­ten­den eine Per­spek­tive geben. Er ist Ver­tre­ter der Gas­tro­no­mie- und Beher­ber­gungs­be­triebe im Mar­ke­tingaus­schuss des Tou­ris­mus­ver­ban­des Lau­sit­zer Seen­land e.V., der die Initia­tive der Unter­neh­mer­schaft begrüßt und unter­stützt.

Aktion Leere Stühle am Stadt­ha­fen Gro­ßräschen
Aktion Leere Stühle am Stadt­ha­fen Gro­ßräschen
Aktion Leere Stühle am Stadt­ha­fen Gro­ßräschen
Talk­runde zur Aktion Leere Stühle am Stadt­ha­fen Gro­ßräschen
Aktion Leere Stühle am Stadt­ha­fen Gro­ßräschen
Initia­tor und Gast­wirt Sebas­tian Wolschke vom HAUS VIER gibt sym­bo­lisch den Löf­fel ab
Aktion Leere Stühle unter dem Motto "Wir geben den Löf­fel" ab am Stadt­ha­fen Gro­ßräschen

Die For­de­run­gen lau­ten:

  • eine klar defi­nierte Exit-Stra­te­gie mit der Unter­schei­dung der Risi­ko­ein­stu­fung zwi­schen städ­ti­schem und länd­li­chem Raum
  • pra­xis­taug­li­che und ein­heit­li­che Rah­men­be­din­gun­gen und Regu­la­rien sowie gemein­sam mit der Bran­che gestal­tete Hygie­ne­kon­zepte für die ange­kün­digte Wie­der­eröff­nung, die ein effi­zi­en­tes Wirt­schaf­ten ermög­li­chen und die Durch­führ­bar­keit von pri­va­ten Fei­er­lich­kei­ten bis zu einer gewis­ser Per­so­nen­an­zahl erlau­ben
  • aus­rei­chend dimen­sio­nierte Ent­schä­di­gung für Betriebe auf­grund des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes: denn es ist nicht hin­zu­neh­men, dass Betriebe ihre Ein­nah­men­aus­fälle durch die behörd­lich ange­ord­ne­ten Schlie­ßun­gen selbst zu ver­ant­wor­ten haben, obwohl sie sich nichts zuschul­den haben kom­men las­sen
  • Erhö­hung der Sofort­hil­fen als zins­lo­ses Dar­le­hen für die Til­gung der lau­fen­den Betriebs­kos­ten wie Mie­ten, Strom, Gas, Ver­si­che­run­gen, Kre­dite und Lea­sings ohne ein pro­ble­ma­ti­sches Antrags­ver­fah­ren in Höhe der tat­säch­lich anfal­len­den Kos­ten
  • einen dau­er­haft ein­heit­li­chen Mehr­wert­steu­er­satz von 7 Pro­zent in der Gas­tro­no­mie
  • Steu­er­nach­lässe- und Rück­zah­lun­gen für die in den Vor­jah­ren gezahl­ten Kör­per­schafts- und Gewer­be­steu­ern
  • Abschaf­fung oder Absen­kung von GEZ- und GEMA-Gebüh­ren
  • Erhö­hung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des rück­wir­kend ab Antrags­stel­lung auf 90 Pro­zent
  • fle­xi­ble Erwei­te­run­gen im Arbeits­zeit­ge­setz
  • Erhö­hung des mög­li­chen monat­li­chen Arbeits­ent­gel­tes bei Mini­jobs von 450 € auf 650 € (wir sind auf sol­che fle­xi­blen Mit­ar­bei­ter ange­wie­sen)
  • Ver­ein­fa­chung der Büro­kra­tie: ein Gas­tro­nom inves­tiert aktu­ell mehr als die Hälfte sei­ner Zeit für Hygiene-Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten, DSGVO-kon­for­mes Arbei­ten, Arbeits­zeit­do­ku­men­ta­tion, Aller­ge­ne­ver­ord­nung, Arbeits­schutz­do­ku­men­ta­tio­nen, Aus­schrei­bun­gen, Kas­sen­sys­tem­an­for­de­run­gen usw., dies ist zu viel und die Zeit fehlt am Gast
  • deutsch­land­weit finan­zierte Mar­ke­ting­kam­pa­gnen für Urlaube und Erho­lung im eige­nen Land/Bun­des­land

State­ments der betei­lig­ten Bran­chen­ver­tre­ter:

Sebas­tian Wolschke, Inha­ber Haus Vier in Gro­ßräschen: Die von der Regie­rung schnell auf den Weg gebrach­ten Maß­nah­men sind gut und rich­tig. Aber sie rei­chen bei Wei­tem nicht aus. Zwar gibt es jetzt eine Öff­nungs­per­spek­tive für viele Betriebe. Die Ver­zweif­lung und exis­ten­zi­el­len Nöte der Unter­neh­men des Gast­ge­wer­bes sind auf­grund der erlit­te­nen Umsatz­ver­luste und fort­lau­fen­den Kos­ten den­noch groß. Wir for­dern direkte Finanz­hil­fen aus einem Ret­tungs­fond und set­zen heute gemein­sam ein Zei­chen für unsere Not­lage.

Mat­thias Lei­ker, Inha­ber Feri­en­hof Rad­ler­lust in Senf­ten­berg OT Gro­ß­ko­schen: Ich freue mich, dass es für Gas­tro­no­mie und Beher­ber­gung eine Per­spek­tive zur Auf­nahme des Betrie­bes gibt. Es bleibt aber enorm wich­tig, dass die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen mit den Prak­ti­kern vor Ort kom­mu­ni­zie­ren. Beim Detail­reich­tum der jetzt anste­hen­den Rege­lun­gen sollte man sich auf tat­säch­lich not­wen­dige Dinge beschrän­ken. Die Ver­ant­wort­li­chen in den Unter­neh­men ken­nen ihr Umfeld und sind gut selbst in der Lage Risi­ken effek­tiv zu mini­mie­ren.

Heike Strut­hoff, Inha­be­rin Der­Leucht­Turm-Gas­tro GmbH in Els­ter­heide OT Gei­ers­walde: Das Lau­sit­zer Seen­land ist eine junge Desti­na­tion, die sich als Feri­en­re­gion neu defi­niert. Alle Akteure in Gas­tro­no­mie und Hotel­le­rie haben hier neu inves­tiert und sind beacht­lich mit Kre­di­ten belas­tet. Zum umsatz­star­ken Sai­son­be­ginn, wo wir die umsatz­schwa­chen Win­ter­mo­nate aus­glei­chen, wur­den unsere Gas­tro- und Hotel­be­triebe behörd­lich geschlos­sen. Zum Minus aus den Win­ter­mo­na­ten kommt jetzt noch das Corona-Minus hinzu. Die Unter­neh­men selbst sol­len zusätz­li­che Kre­dite auf­neh­men, um das Minus aus­zu­glei­chen. Laut Infek­ti­ons­schutz­ge­setz ist das nicht rich­tig. Wir erwar­ten Ertrags­aus­fall­ent­schä­di­gung für die ange­ord­nete Schlie­ß­zeit und für even­tu­ell auf­tre­tende Ein­bu­ßen in den kom­men­den Mona­ten wegen behörd­lich ange­ord­ne­ten Auf­la­gen. Wei­ter­hin sol­len die 7 Pro­zent Umsatz­steuer für unbe­grenzte Zeit gel­ten, da diese nicht zum Aus­gleich des Corona-Minus gedacht waren, son­dern bereits vor Corona zum Bei­spiel für bes­sere Mit­ar­bei­terent­loh­nung gedacht waren.
Zusätz­lich ist es nicht nach­voll­zieh­bar, dass Betriebe, die ter­ri­to­rial in Bran­den­burg lie­gen nicht rück­zahl­bare Ent­schä­di­gun­gen erhal­ten, die säch­si­schen Betriebe erhal­ten kei­nen Cent. Trotz allem freut sich das gesamte Team, dass wir ab kom­men­dem Frei­tag wie­der unsere Gäste in unser Haus bit­ten kön­nen. 

Juliane Marko, Inha­be­rin Kult­berg in Alt­dö­bern: Für Unter­neh­mer­fa­mi­lien wie uns hilft eine Öff­nung nichts ohne gesi­cherte Kin­der­be­treu­ung unab­hän­gig davon, dass wir die Ein­däm­mun­gen sehr gut ver­ste­hen und nach­voll­zie­hen kön­nen. Den­noch hän­gen ganze Exis­ten­zen an den Fol­gen. Wir leben in und mit unse­rem Kul­tur­haus. Es bil­det unsere Exis­tenz­grund­lage damit also nicht nur finan­zi­ell. Wir kön­nen uns nicht ein­fach einen neuen Job suchen. Wir füh­len uns für die Gesell­schaft in der Region ver­ant­wort­lich wei­ter­hin einen Ort des Aus­tauschs, der Begeg­nung und der Selbst­ver­wirk­li­chung zu schaf­fen. Denn nur kul­tu­relle Teil­habe und soziale Inte­gra­tion machen das Dasein eines jeden Men­schen zu einem ech­ten Leben. Der Regie­rung sollte daher mög­lichst auch daran gele­gen sein, nicht nur wirt­schafts­starke Indus­trie­zweige schnell wie­der an den Start zu brin­gen, son­dern auch weni­ger finanz­starke aber ebenso gesell­schafts­re­le­vante Sek­to­ren zu stüt­zen. Und wenn das in unse­rer Bran­che der Gas­tro­no­mie, der Ver­an­stal­tun­gen (bei uns zäh­len dar­un­ter Kon­zerte, Tagun­gen, Thea­ter­gast­spiele und Pri­vat­fei­ern sowie der ört­li­che Kar­ne­val) und der Tou­ris­tik nicht ohne Ein­schrän­kun­gen im Zuge der Ein­däm­mung des Virus mög­lich ist, bedarf es ech­ter liqui­di­täts­re­le­van­ter Unter­stüt­zung sei­tens des Bun­des und der Län­der, um hier ganze Bran­chen nicht ein­fach unwie­der­bring­lich ster­ben zu las­sen.
Eine GEMA-Befrei­ung für mind. zwei Jahre, um einen Teil ver­lo­re­ner Erträge auf­fan­gen zu kön­nen, wäre eine gute Maß­nahme. Struk­tu­relle Erleich­te­run­gen bei Betriebs­kos­ten wie Miete, Neben­kos­ten, Strom usw. kön­nen nur mit lang­fris­ti­gen und ech­ten Zuschüs­sen erzeugt wer­den. Lasst uns bitte nicht allein.

Sören Hoika, Betrei­ber iba-aktiv-tours in Gro­ßräschen und Senf­ten­berg OT Gro­ß­ko­schen: Ich möchte mit mei­nen Mit­strei­tern ein Zei­chen dafür set­zen, dass die Rei­se­bran­che in den poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen nicht ver­ges­sen wird. Einen Job wie mei­nen macht man nicht, um reich zu wer­den. Ich möchte, dass die Gäste bei uns eine gute Zeit haben. Doch in die­ser Situa­tion mache ich mir Gedan­ken, ob die­ser Stel­len­wert unse­rer Bran­che auch beach­tet wird. Zu sehen, dass von der Poli­tik eher über das Gestat­ten von Fuß­ball­bun­des­liga-Spie­len und Ret­tungs­schirme für die Auto­mo­bil­in­dus­trie als über den kom­plet­ten Weg­fall der Arbeits­grund­lage einer viel­fäl­ti­gen Bran­che dis­ku­tiert wird, erfüllt mich mit Sorge. Ich frage mich, wie Betriebe aus der Frei­zeit­wirt­schaft zukünf­tig noch für Arbeit­neh­mer attrak­tiv sein kön­nen, wenn sich offen­bar so leicht dar­auf ver­zich­ten lässt. Damit sehe ich den Fort­be­stand unse­rer Bran­che in Gefahr.

Mar­cel Peter­mann, Mana­ger Regio­nal­cen­ter Ober­spree­wald-Lau­sitz, Indus­trie- und Han­dels­kam­mer Cott­bus: Ein geson­der­tes Hilfs­pa­ket für Bran­den­bur­ger Tou­ris­mus und Gast­ge­werbe ist uner­läss­lich. Durch die feh­lende Liqui­di­tät im Zuge der Schlie­ßun­gen dro­hen trotz kurz­fris­ti­ger Sofort­hil­fen Insol­ven­zen und der Ver­lust von Arbeits­plät­zen. Neben den steu­er­li­chen Ent­las­tun­gen muss daher schnells­tens ein spe­zi­el­ler Ret­tungs- und Ent­schä­di­gungs­fonds für das beson­ders betrof­fene Gast­ge­werbe und die Tou­ris­mus­wirt­schaft auf­ge­legt wer­den.
Gas­tro­no­mi­sche Ein­rich­tun­gen und bald auch Beher­ber­gungs­be­triebe dür­fen wie­der öff­nen. Damit ver­bun­dene Auf­la­gen müs­sen klar und nach­voll­zieh­bar defi­niert sein, damit die Unter­neh­men Pla­nungs­si­cher­heit haben. 

Zur Initia­tive „Leere Stühle“

Der sich in Grün­dung befind­li­che Ver­ein ging aus der Aktion „Leere Stühle“ her­vor, die mit einer ein­zig­ar­ti­gen Gue­rilla-Mar­ke­ting­ak­tion am 17. April 2020 in Dres­den statt­fand. Mit „Lee­ren Stüh­len“ gelang es bun­des­weit auf die Exis­tenz­angst der säch­si­schen Gas­tro­no­men hin­zu­wei­sen. Über 550 Gas­tro­no­men, Hote­liers und Ver­an­stal­ter betei­lig­ten sich daran und setz­ten so ein Zei­chen, dass die Zeit gekom­men ist, von Bund und Regie­rung beson­dere Unter­stüt­zungs­pa­kete zu for­dern. Inner­halb einer Woche fan­den in zahl­rei­chen Städ­ten Deutsch­lands wei­tere Aktio­nen statt. Die Initia­tive „Leere Stühle“ e.V. i.G. ist unab­hän­gig jeg­li­cher poli­ti­scher Inter­es­sen und gehört kei­ner Insti­tu­tion oder Ver­ein an. Mehr Infor­ma­tio­nen: www.​leere-​stuehle.​de

Kon­takt für Pres­se­an­fra­gen:

Sebas­tian Wolschke
Haus Vier
Hafen­straße 4, 01983 Gro­ßräschen
Tel. 035753 698979, 01711417928
info@​haus-​vier.​com
www.​haus-​vier.​com

Pres­se­infor­ma­tion 08.05.2020

Fotos zur Ver­öf­fent­li­chung

Fol­gende Fotos von der Aktion erhal­ten Sie zur Ver­öf­fent­li­chung in Zusam­men­hang mit die­ser Mel­dung. Der Bild­nach­weis (©) ist bei Ver­öf­fent­li­chung anzu­ge­ben.

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